Die in den Bundestag gewählten Abgeordneten sind Vertreter des ganzen Volkes und als solche an Aufträge und Weisungen nicht gebunden und ausschließlich ihrem Gewissen verpflichtet. Es gibt kein imperatives Mandat, man kann seinen Kandidaten also nicht im Vorhinein auf ein bestimmtes Verhalten festlegen. Letztlich werden die Abgeordneten eher danach gewählt, ob man ihnen zutraut, dass sie vier Jahre lang im Interesse der Bürger handeln.
Die Arbeit eines Abgeordneten ist in Wahlkreis- und Sitzungswochen unterteilt.
Jede und jeder die/ der wahlberechtigt, seit mindestens einem Jahr Deutscher Staatsbürger und mindestens 18 Jahre alt ist, kann in den Bundestag gewählt werden. In der Regel werden die Kandidaten durch Parteien nominiert.
Die Arbeit einer Abgeordneten ist vielseitig und anspruchsvoll. Sie umfasst nicht nur die Sitzungswochen in Berlin, sondern auch die Wahlkreisarbeit und verschiedene informelle und repräsentative Tätigkeiten. Wie der Alltag einer Abgeordneten konkret aussieht, darüber können Sie sich, anahnd eines Beispiels einer Sitzungswoche, weiter unten auf dieser Seite informieren.
Zu Beginn der Sitzungswoche, am Montag, reise ich aus dem Wahlkreis an und bereite mich inhaltlich vor, bespreche die laufenden Aktivitäten mit meinen Mitarbeitern und setzen die Arbeitsschwerpunkte fest. Am gleichen Tag kommen die Fraktionsvorstände und auch Landesgruppen zusammen, um die wichtigen Fragen zu diskutieren. Am Dienstagmorgen treffen sich die Arbeitsgruppen der jeweiligen Fraktionen. Ich bin Mitglied der Arbeitsgruppe Arbeit und Soziales. In den AG-Sitzungen werden organisatorische und strategische Fragen behandelt. Die AG-Mitglieder gehören automatisch dem entsprechenden Fachausschuss des Bundestages an. Dann am Dienstagnachmittag ist Fraktionssitzung, wo die allgemeinen politischen Ziele diskutiert und festgelegt werden.
Der Mittwoch beginnt in den Ausschüssen. Dort werden alle Vorlagen, Anträge und Gesetzentwürfe der Regierung und der einzelnen Fraktionen diskutiert. Am Mittwochnachmittag beginnen die Debatten im Plenarsaal, meistens mit der Fragestunde der Bundesregierung.
Um alle ihre Aufgaben zu bewältigen, müssen die Abgeordneten sehr genau überlegen, bei welcher Plenardebatte ihre Anwesenheit unbedingt erforderlich ist. Das sind meistens die Kerndebatten und Plenarsitzungen, die den eigenen Arbeitsbereich berühren. Wenn in der Fernsehübertragung aus dem Bundestag so viele Sitze leer sind, heißt das also nicht, dass die Abgeordneten schwänzen, sondern dass sie dort sind, wo sie hingehören: in den Ausschüssen und Arbeitsgruppen.
In der Regel wird der gesamte Donnerstag vom Bundestagsplenum beansprucht, das häufig bis in die Nacht andauert. Fraktionssitzungen und die übrig gebliebenen Tagesordnungspunkte bestimmen den Freitag meist bis in den Nachmittag, in dessen Verlauf die Abgeordneten dann nach Hause fahren.
Während der 22 oder 23 Sitzungswochen des Jahres haben die Abgeordneten einen sehr engen Terminplan. Neben den Plenarsitzungen finden in den Sitzungswochen Gespräche mit Experten, Ministerien und Verbänden statt, aber auch Besuchergruppen aus dem Wahlkreis werden empfangen und betreut. Zusätzlich zur parlamentarischen Arbeit in Ausschüssen, Kommissionen, Fraktionssitzungen und Plenum haben die Abgeordneten also noch andere repräsentative Aufgaben und Verpflichtungen wahrzunehmen.
- Ein Beispiel für eine typische Sitzungswoche in Berlin:
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Sonntagabend
- Anreise aus dem Wahlkreis nach Berlin
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Montag
08.30 Uhr Anwesenheit im Berliner Abgeordnetenbüro, Unter den Linden 50
- Bearbeitung der Post
- Beratung mit Mitarbeitern, Abstimmung des Terminplans
09.30 Uhr Werkstattgespräch der Unterarbeitsgruppe Behindertenpolitik
14.00 Uhr Büroarbeit:
- Bearbeitung von Unterlagen für die Vorbereitung der Arbeitsgruppe Arbeit und Soziales
- Vorbereitung der Berichterstattung in der Arbeitsgruppe und im Ausschuss
- Beratung mit Berliner Mitarbeitern und den Mitarbeitern im Wahlkreis
16.00 Uhr Termin mit Abgeordnetenkollegen aus Sachsen
18.00 Uhr Gespräch mit einer Besuchergruppe aus dem Wahlkreis
19.00 Uhr Sitzung der Landesgruppe Sachsen-Anhalt der SPD-Bundestagsfraktion
21.00 Uhr Treffen Leitungskreis „Seeheimer Kreis“ -
Dienstag
- 08.30 Uhr Anwesenheit im Abgeordnetenbüro
09.30 Uhr internes Vorgespräch Arbeitsgruppe Arbeit und Soziales
10.00 Uhr Sitzung der Arbeitsgruppe Arbeit und Soziales – am Rande Beratungen mit Experten aus dem Sozialbereich
13.00 Uhr Arbeitsessen „Seeheimer Kreis“
14.00 Uhr Fraktionssitzung der SPD-Bundestagsfraktion
17.00 Uhr Sondersitzung der Landesgruppe Ost – Thema: Rechtsradikalismus
17.30 Uhr Eröffnung einer Ausstellung des Technischen Hilfswerks im Paul-Löbe-Haus
18.00 Uhr Fachgespräch zur Behindertenpolitik mit dem Sozialverband Deutschland
20.00 Uhr Netzwerktreffen der SPD-Fraktion -
Mittwoch
- 08.30 Uhr Anwesenheit im Abgeordnetenbüro – Büroarbeit
09.30 Uhr Sitzung Ausschuss Arbeit und Soziales
13.00 Uhr Plenum: Teilnahme an einer Anhörung von Sozialverbänden
parallel: Mittagessen mit einem Krankenkassen-Vertreter, Gespräch über aktuelle Probleme
14.30 Uhr Sitzung der Arbeitsgruppe Verteilungsgerechtigkeit und soziale Integration
16.15 Uhr Teilnahme an der Vorstellung einer Studie zur Zukunft des Gesundheitswesens
18.00 Uhr Parlamentarischer Abend eines Sozialverbandes, Thema: Inklusion und Integration von Menschen mit Behinderung
20.00 Uhr Abendessen mit Kollegen aus anderen Fraktionen -
Donnerstag
- 09.00 Uhr Plenum: Regierungserklärung
10.00 Uhr Gespräch mit Vertretern eines Sozialverbandes zum Thema Inklusion
12.50 Uhr Namentliche Abstimmungen im Plenum
13.00 Uhr Interfraktionelle Arbeitsgruppe Hospiz
13.50 Uhr Plenum: Debatte zum SGB III (Arbeitsförderung)
14.30 Uhr Vorbereitungstreffen der (stellv.) Sprecher der AG Kommunalpolitik
15.00 Uhr AG Kommunalpolitik, Thema: energetische Gebäudesanierung
17.00 Uhr Landesgruppe Ost
18.00 Uhr Parlamentarischer Abend, Thema: Kompetenznetze in der Medizin
parallel: Plenum: Themen des Ausschuss Arbeit und Soziales -
Freitag
- 07.30 Uhr Arbeitsfrühstück mit dem Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB)
08.30 Uhr Mitarbeiterbesprechung
09.00 Uhr Plenumssitzung, Debatte zur Sozialpolitik
09.55 Uhr strittige Abstimmungen (2. und 3. Lesung eines Gesetzes)
10.15 Uhr Namentliche Abstimmung im Plenum
11.00 Uhr Anwesenheit im Büro, u. a.: Abstimmung der Wochenendtermine im
Wahlkreis und der Termine für die nächste Woche
12.00 Uhr Gespräch mit Besuchergruppe aus dem Wahlkreis
14.00 Uhr Bundesvorstandssitzung der Sozialdemokratische Arbeitsgemeinschaft für
Kommunalpolitik (SGK)
16.00 Uhr Heimfahrt in den Wahlkreis

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